Film von Rolf Seelmann-Eggebert
In den Ausläufern des Himalayas zwischen Indien und Tibet liegt eines der letzten Paradiese auf der touristischen Landkarte der Welt: Das Königreich Bhutan, das Drachenreich. Ein Paradies ist dieses kleine Königreich auch für seine Bewohner, denn der König selbst hat jedem seiner Untertanen persönliches und geistiges Glück in der Verfassung garantiert. Rolf Seelmann-Eggebert porträtiert das Königreich des Glücks. Noch zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts gab es im Himalaya ein ganzes Dutzend Königreiche und Fürstentümer. Nachdem nun auch das Ende der Monarchie in Nepal eingeläutet ist, verbleibt als letztes Königreich Bhutan: Es ist so gross wie die Schweiz, umgeben von den volkreichsten Staaten der Erde, China im Norden, Indien im Süden. Bhutans Herrscher, der vierte Druk Gyalpo (Drachenkönig), hat die Zeichen der Zeit früh erkannt. Statt darauf zu warten, dass sein Volk die Demokratie verlangt, hat er mit seinen Beratern eine Verfassung erarbeitet, die in vielerlei Beziehung einmalig ist. Der König, der nur noch repräsentatives Staatsoberhaupt ist, muss spätestens mit 65 Jahren abdanken. Er kann auch vorher durch Parlament und Volksentscheid seines Amtes enthoben werden. Der ersten gewählten Kammer dürfen nur Mitglieder angehören, die einen akademischen Abschluss haben. Einen besonderen Stellenwert hat die Umwelt. So heisst es in Artikel 5 der Verfassung: Die Regierung soll sicher stellen, dass mindestens 60 Prozent der gesamten Landfläche Bhutans für immer von Wäldern bedeckt sein sollen, um die natürlichen Reichtümer zu erhalten und eine Verschlechterung des fragilen Ökosystems der Bergwelt zu verhindern. Am 24. März werden auf dem Boden dieser Verfassung die ersten demokratischen Wahlen in Bhutan stattfinden. Das Glück der Untertanen - gross national happiness - , ist dem vierten Drachenkönig mindestens so wichtig ist wie das Bruttosozialprodukt. Und er ist bei den 700.000 Bhutanern so beliebt, dass sich viele von ihnen gewünscht hätten, es wäre alles beim alten Feudalsystem geblieben. Aber auch mit der neuen Verfassung werden sie schon von Staats wegen glücklich sein.